„Fliegen, warum?“

© JACKIE HERR

Diese Frage wird mir zurzeit sehr oft gestellt, wenn ich zum Beispiel in Facebook wieder Fotos vom Fliegen poste oder keine Zeit am Wochenende habe, da ich fliegen gehe – aber finde nie eine passende Antwort.

Was für Gründe habe ich eigentlich? Ist das nicht alles zu teuer, zu gefährlich, zu aufwendig? Nimmt es nicht zu viel Zeit von meinem Leben weg? Werden dadurch nicht andere Dinge, etwa sogar Freunde und Familie, vernachlässigt?

Fragen um Fragen… bis ich neulich das Buch Glück des Fliegens von Richard Bach in den Händen hielt und das Kapitel Menschen, die fliegen aufschlug. Da bekam ich endlich meine lang erhoffte Antwort.

Richard schreibt, dass manche Leute das Warum nie begreifen werden und wir es ihnen nicht erklären können. Wenn sie es begreifen wollen und innerlich aufgeschlossen sind, können wir es ihnen zeigen, sagen aber können wir es nicht.

Das ist richtig. Man muss dieses Gefühl miterlebt haben, man kann es nicht einfach so mit Worten beschreiben. Das Gefühl der Freiheit, der Unendlosigkeit, wenn man vom Boden abhebt, seinen Freunden dort unten zuwinkt und in das Blaue hineinfliegt, der Sonne entgegen, weg von der Realität und Zeit findet, zu träumen. Zeit für sich findet und seine Maschine, die einen treu durch den Himmel trägt. Man lebt in seiner eigenen Welt und kann jede einzelne Sekunde genießen, nichts und niemand kann einen davon abhalten. Der Geruch nach Metall, Treibstoff, frisch gemähtem Gras. Die Brise, die einem in das Gesicht weht. Das Lächeln, das man während dem Fliegen stets trägt.

Ich liebe das Fliegen und vor allem diese enorme Bindung zwischen einem Menschen und einem Flugzeug. Ich spreche nicht von jedem – lassen Sie mich von den Ausnahmen sprechen und romantisch sein –, aber von denen, für die das Fliegen das Leben bedeutet, der Himmel nicht als Arbeitsplatz oder zur Unterhaltung da ist, sondern ihm sein Zuhause gibt. *

Manche würden uns Piloten vielleicht für verrückt halten und uns auslachen, wenn wir erzählen würden, wie wir nach dem Flug unsere schöne Maschine liebevoll tätscheln und zum Abschied ein paar Worte sagen, ehe wir den Hangar abschließen. Ein Flugzeug ist eine Maschine und kein Mensch, den man lieben kann? Klar kann man das. Und meiner Meinung nach muss das auch so sein. Man muss eine Beziehung aufbauen, um seinen Flieger vertrauen, ihn kennen und ein Team sein zu können. Nur so fühlt man sich in der Luft wohl und vor allem sicher. Und nur so fühlt man sich dort oben tatsächlich Zuhause.

Haben Sie bemerkt, dass diese Menschen, wenn sie über ihren Grund zum Fliegen in keinem einzigen Fall die Fortbewegung erwähnen? Oder die Zeitersparnis. Man spürt, dass ihnen all dies nicht so wichtig, dass dies nicht der Hauptgrund ist, der sie hinauf an den Himmel führt. Sie sprechen von Freundschaft und Freude, von Schönheit und Liebe, vom Leben, einem echten, unmittelbaren Leben in Regen und Wind. Und wenn man sie fragt, woran sie sich aus ihrem bisherigen Leben erinnern, dann wird keiner auch nur eine einzige Minute auslassen. Kein einziger. *

Die vielen lebendigen Leute, die man kennenlernt und ebenfalls anfängt zu lieben. Und wie Richard schreibt – es stimmt, ich kann mich wirklich an alles erinnern. Ich kann alles ganz genau zeitlich einordnen und wenn ich an diese Abenteuer denke, huscht jedes Mal ein zufriedenes Lächeln über mein Gesicht. Vielleicht muss ich auch mal anfangen zu lachen, wenn dieser Moment besonders witzig war. Ich könnte auch meinem Dad oder anderen erfahrenen Piloten stundenlang zuhören, wie sie von ihren Fliegergeschichten erzählen. Die eine ist spannender, als die andere. Und lustiger.

All diese Dinge, die so oft als Gründe für das Fliegen genannt werden, sind überhaupt keine Gründe. Sie sind nur Nebenprodukte. Der wahre Grund ist, das Leben zu finden und es jetzt, unmittelbar, zu leben und zu genießen. Hinter dem ganzen Dasein einen Sinn zu finden. Fliegen ist mehr, als nur ein Hobby.

Nun, was mache ich, wenn mich das nächste Mal jemand fragt, warum ich fliege? Ich denke, ich werde ihn mit zum Flugplatz nehmen und ihm all das zeigen. Dieses Gefühl, diese Freude, diese Liebe, diese Leidenschaft, diese liebevollen Leute. Mein Dad und ich haben das schon oft getan – Freunden, Bekannten oder Verwandten das Fliegen gezeigt. Für mich gibt es nichts Schöneres, als zu sehen, wie sie nach einem Rundflug mit einem breiten Grinsen aus der Maschine steigen und völlig begeistert erzählen, wie schön es für sie war. Vielleicht mag das nicht auf alle zutreffen, aber dennoch auf die Meisten – und genau diese haben wahrscheinlich auch verstanden, warum Fliegen für manche Menschen einfach unverzichtbar ist.

Wer also mal das Fliegen gezeigt bekommen will, erfahren möchte wie es sich anfühlt – der kann sich liebend gerne bei mir melden ;)

* aus dem Buch „Glück des Fliegens“ von Richard Bach

4 Kommentare

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