„Skycatcher 3032R, cleared for Take Off Runway 14”

© CESSNA AIRCRAFT

Heute hatte ich endlich meine ersten Flugstunde! Und dazu noch eine sehr coole Besichtigung des Kontrollturms :)
Ich fange mal von vorne an…

Pünktlich um 8 AM habe ich mich bei Cirrus Aviation mit meinem Fluglehrer Lucas getroffen. Ich kannte ihn noch vom letzten Jahr, da hat er mir die ganzen Flugzeuge der Flugschule gezeigt. Ich habe sehr gehofft, dass ich ihn als Lehrer bekommen würde, da wir uns damals schon gut verstanden haben.

Zuerst haben wir die Flight Service Station (FSS) angerufen und ein Wetterbriefing gemacht. ATIS haben wir anschließend auch abgehört, ich hatte mein Funkgerät dabei. Dann haben wir noch das Airport Diagram vom Flughafen (Sarasota-Bradenton International Airport KSRQ) ausgedruckt und mich auf meinen ersten Funkspruch vorbereitet. Der Funk in Amerika ist sehr anders als in Deutschland und niemand hat ein Funksprechzeugnis. Bei kontrollierten Flugplätzen gibt es zum Beispiel noch eine Approach- und Departure-Frequenz (wie beim IFR-Verkehr also – in meinem Fall ist das Tampa Approach/Departure). Man erlernt den Funk direkt im Cockpit, während seinen ersten Flugstunden. Übrigens ist KSRQ ein Class C Airport.

Und schon ging es aufs Vorfeld, vorbei an der gesamten Flotte der Flugschule. Ganz am Ende stand die Cessna 162. Sie sieht wirklich schick aus, sowohl von innen, als auch von außen. Man meint gar nicht, dass sie eigentlich ein LSA ist.
Erstmal durfte ich einen gründlichen Außencheck mit Checkliste machen, wie es sich eben gehört. Gleich darauf mussten wir uns für eine Viertelstunde bei dem nächstgelegenen Hangar unterstellen, da ein kleines, lokales Gewitter plötzlich aufzogen ist. Das geht aber in Florida zum Glück immer schnell vorbei.
Als der Regen nachgelassen hat, sind wir schnell zur Skycatcher gelaufen, reingehüpft und haben sie angelassen. Der Continental O-200D mit 100hp hört sich gut an :)

Dann wurde es ernst für mich, denn ich sollte Sarasota Clearance rufen und somit zum ersten Mal in Amerika funken. Ich bin ja schon in Deutschland bei einem unkontrollierten Platz nervös! Aber da ich alles vorher zusammen mit Lucas auf einen Zettel geschrieben hatte, musste ich sowieso erst einmal nur ablesen, das hat natürlich super geklappt:

„Sarasota Clearance, Skycatcher 3032R is parked @Dolphin Aviation with information Sierra, requesting VFR to west practice area @2000ft“

Das Readback musste ich noch etwas ergänzen/verbessern, aber dann auch einfach ablesen.

„Fly Heading 180 @ or below 1600ft, contact Tampa Departure on 119.65, Squawk 0137, Skycatcher 3032R“

Da die Frequenzen für Ground Control und Clearance Delivery für diesen Tag auf eine gemeinsame Frequenz gelegt waren, habe ich auch gleich noch Rollanweisungen bekommen. Das hatte ich auf dem Zettel nicht mehr drauf, aber ich wusste ja davor schon, dass Runway 14 und 22 in Betrieb sind und mit welchen Taxiways man dort hinkommt. Alles noch ganz easy also. Wir haben Runway 14 bekommen, die längere Piste von den beiden. 9500x150ft Asphalt standen uns zur Verfügung!

Das Rollen ist übrigens mit der Skycatcher nicht so einfach. Man kann das Bugrad durch die Pedale nämlich nicht bewegen, es wird wie bei einem Einkaufswagen einfach hinterhergezogen, das war neu für mich. Allerdings kein großes Problem, da ich es von unserer Piper Cub gewohnt bin mithilfe der Bremsen zu rollen. Man sieht wahnsinnig gut aus der 162er raus und das rechte Display des Garmin G300 hat uns das Airport Diagram mit unserer aktuellen Position angezeigt. Was für ein Luxus…

Nach dem Motorcheck meinte Lucas, dass ich auch noch den Tower rufen darf, da ich den Funk bisher gut gemeistert habe :)

„Sarasota Tower, Skycatcher 3032R holding short of Runway 14 on Taxiway Alpha, ready for departure“

Vom Tower kam dann das, was in der Überschrift steht. Das Readback war dann einfach:

„Cleared for Take Off Runway 14, Skycatcher 3032R“

Dann ging es endlich auf die Piste und somit in die Luft! Kaum hebt die 162er ab, zeigt sie ihr wahres Gesicht. Der neu entwickelte Stick von Cessna (siehe unteres Bild) sieht zwar auf den ersten Blick sehr komisch aus (ich war anfangs ebenfalls skeptisch), aber er fühlt sich wie ein ganz normaler, üblicher Knüppel an, mag ich persönlich sehr. Die Trimmung verläuft elektronisch ab und ist am Stick angebracht. Dafür muss man allerdings die Landeklappen manuell ausfahren (also das, was auf dem Bild ganz oben zwischen den Sitzen wie eine Handbremse aussieht, ist für die Klappen da). Die Skycatcher steigt wie eine Rakete und hat eine Reisegeschwindigkeit von etwa 112 kts (207 km/h). Das Handling ist spitze, es macht sehr viel Spaß mit ihr! Mit dem Garmin G300 kommt man eigentlich von Anfang an sehr gut zurecht.

© CESSNA AIRCRAFT

Während ich Richtung Westen zur Küste geflogen bin, hat Lucas den Funk für mich übernommen. Er hat Tampa Departure kontaktiert und angefragt, ob wir an der Küste entlang bis zur Tampa Bay fliegen und uns dort für unser Training aufhalten dürfen. Wir hatten Glück und Tampa hatte kein Problem damit. Wir sind an Longboat Key und an Anna Maria Island entlang geflogen, das war echt wunderschön. Die Wasserfarbe war der absolute Hammer! Knalltürkis.

Etwas westlich von Egmont Key hat mir Lucas gezeigt, wie es mit Kurven im Slow Flight aussieht. Prozedur: Gas ganz raus, Klappen voll ausfahren, die 162er auf 45 kts bringen (Stall Speed sind 40 kts), indem man den Anstellwinkel erhöht, dann sofort wieder Gas geben, um einen Stall zu vermeiden. Dann hat er mich um 180° wenden lassen. Das habe ich zuvor noch nie in der Art und Weise gemacht, war aber nicht schwer, man muss nur viel (!) Gefühl haben. Man muss eben sehr sanft das Seitenruder benutzen – kein Querruder – und aufpassen, dass man nicht zu langsam wird. So haben wir ein paar Runden gedreht und zum Abschluss noch einen Stall gemacht.

Dann haben wir beschlossen, beim Albert Whitted Airport (KSPG) ein paar Touch and Go’s zu machen. KSPG hat wie Sarasota zwei Pisten und die liegen direkt am/im Wasser. Diesmal durfte ich mich mal mit Tampa unterhalten :)

„Tampa, Skycatcher 3032R, would like to proceed to Albert Whitted Airport“

Ganz einfach. Tampa hat mir sofort die Erlaubnis gegeben, direkt KSPG anzufliegen.
Damit ich mich ganz auf die Platzrunden konzentrieren konnte, hat Lucas wieder den Funk übernommen. KSPG ist ein Class D Airport, hat somit auch einen Kontrollturm, ist aber eine Klasse unter Sarasota. Bei unserem ersten Anflug auf Runway 18 waren wir cleared for the option, also durften wir komplett selbst entscheiden, was wir tun. Wir waren zu hoch, also haben wir einen Go-Around gemacht. Dann bin ich zweimal gelandet, worauf es wieder Richtung Sarasota ging. Tampa wurde wieder von mir kontaktiert:

„Tampa Approach, Skycatcher 3032R, approximately 10 miles northeast of Sarasota, inbound to land“

„Skycatcher 3032R, cleared to descent, fly straight to Sarasota, expect Runway 14, contact Sarasota Tower on 120.1“

Das musste ich dann einfach nur wiederholen. Darauf die Frequenz vom Tower eindrehen und eine weitere Meldung absetzen:

„Sarasota Tower, Skycatcher 3032R, inbound for a full stop landing“

„Skycatcher 3032R, cleared to land on Runway 14“

Scheint wohl im Moment überall nicht so viel los zu sein! Alle lassen mich einfach machen – aber gut so. Die dritte und letzte Landung ist mir ganz gut gelungen, denke ich :)

Der Tower hat uns, gleich nachdem wir aufgesetzt sind, die Anweisungen gegeben, die Runway bei der Intersection A4 zu verlassen und Sarasota Ground zu rufen. Bei A4 sind wir noch die After-Landing Checklist durchgegangen. Dann habe ich die Rollkontrolle gerufen:

„Sarasota Ground, Skycatcher 3032R on Alpha 4, would like to taxi to Dolphin Aviation“

Wir durften direkt zu unserem Abstellplatz rollen. Ich habe dann noch zusammen mit Lucas mein Flugbuch ausgefüllt. Zum Glück war er zufrieden mit mir, er war „very impressed“ von meinen Funkkünsten und meinte „you make really good landings!“ – darüber habe ich mich natürlich total gefreut :)

Dann ging es noch für eine Stunde auf den Kontrollturm. Lucas hat nämlich extra eine Besichtigung organisiert, damit ich die Controller mal kennenlernen darf. Komisches Gefühl, wenn man mit ihnen ganz normal redet und nicht über Funk. Alle von ihnen waren super freundlich! Es war total interessant dort oben, sie haben die Radarbildschirme usw. erklärt und uns noch einmal ausdrücklich klargemacht, dass sie dazu da sind, um uns zu helfen. Also: keine Hemmungen, just talk.

Das wars auch schon! Morgen habe ich meine nächste Flugstunde in der Skycatcher um 4 PM. Bin schon sehr gespannt, was wir da dann machen werden. Ich habe mich jedenfalls jetzt schon in die 162er verliebt und freue mich deshalb umso mehr auf weitere schöne Flüge über Florida :)

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