Changes in Latitudes, Changes in Attitudes…

© JACKIE HERR

Der nächste Ausflug mit meinen Eltern sollte schon etwas größer sein! Frühmorgens, am 21. August, hoben wir mit der Cessna 172, mit der wir am Tag zuvor unterwegs waren (siehe Coastline Cruisin‘), in Sarasota ab. Unser heutiges Ziel: Key West.

Wer mitten im Sommer einen so langen Überlandflug machen möchte, dem bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als kurz nach Sonnenaufgang zu starten – das Wetter ist in diesen Monaten ab der Mittagszeit einfach zu instabil. Abgesehen davon war unsere 172er zwar mit einem Garmin 1000 ausgerüstet, aber eine moderne A/C fehlte, also wollten wir (so gut es eben ging) die extrem heißen Stunden des Tages vermeiden :)

Außerdem ist das sowohl am Flugplatz, als auch in der Luft eine wunderschöne Morgenstimmung, es lohnt sich auf jeden Fall, so früh aufzustehen! Da kaum anderer Verkehr unterwegs ist, ist es sehr still – sowohl am Boden, als auch am Funk.

Bevor wir starteten, rief ich noch schnell die Flight Service Station an, um die aktuellen Wetterbedingungen und die Vorhersage zu erhalten. Alles in Ordnung, das Wetter war perfekt – lediglich an den Keys werden wohl vereinzelt Schauer auftreten. Es konnte losgehen, die ganzen Vorbereitungen waren abgeschlossen!

© JACKIE HERR

Wir machten es wie am Vortag: Mein Dad übernahm das Fliegen, ich den Funk und das Fotografieren. Meine Mom filmte aber diesmal von den hinteren Sitzen aus noch zusätzlich.

Wir flogen nicht direkt nach Key West, sondern entlang der Küste, was natürlich sehr viel schöner ist (und sicherer). Grundsätzlich lässt sich diese Route in vier Abschnitte teilen: Zivilisation, Wasser (mit Alligators), noch mehr Wasser (ohne Alligators, aber vermutlich mit Haien), Zivilisation. Der erste Abschnitt geht etwa bis Marco Island. Bis dorthin verlaufen Inselketten, alle in Nord-Süd-Ausrichtung, abgesehen von Sanibel Island mit der besonderen Ost-West-Ausrichtung (auch gut erkennbar an dem Leuchtturm). Die mehr oder weniger kleinen Buchten trennen die Inseln von dem Festland, aber das Wasser dort ist sehr flach, so wie an den Küsten. An manchen Stellen sticht das grünlich gefärbte Meerwasser besonders hervor. Und der Sand der Strände ist strahlend weiß – einfach schön!

Ab Marco Island beginnen die Ten Thousand Islands. Wie der Name schon sagt: Die Küste wird hier zu einem Labyrinth aus Wasser und tausenden kleinen Inseln, die hauptsächlich aus Mangroven bestehen. Etwas weiter östlich oder südlich gehen sie in die Everglades über.
An Floridas Spitze flogen wir weiter Richtung Süden, direkt nach Marathon. Das bedeutete, dass es ein ordentliches Stück über Wasser ging. Sehr flach war es hier aber weiterhin – und hatte Badewannentemperatur. Besonders gut zu beobachten war, je südlicher man kam, desto türkisfarbener wurde das Wasser. Und irgendwann waren die Keys zu sehen, direkt vor uns lag Marathon.

Noch nie zuvor hatte ich ein derartig knallig-türkises Meerwasser gesehen! Es war einfach atemberaubend und unbeschreiblich. Die Cessna war zwar weiß lackiert, aber strahlte ab diesem Zeitpunkt einen blauen Farbton ab. Seht Euch die Fotos an, das kann man nicht mit Worten beschreiben :)

© JACKIE HERR

Jetzt mussten wir einfach nur der Inselkette nach Westen folgen, bis zum Ende. Wir flogen an der Sevenmile Bridge vorbei, an Big Pine Key, an so vielen Inseln, bis wir den Key West International Airport (KEYW) erreichten.

Östlich von KEYW befindet sich die Naval Air Station Key West (KNQX), auch Boca Chica Field genannt. Uns passierte der seltene Fall, dass die NAS (nein, nicht „NSA“ :P) nicht aktiv war und wir direkt durch den Luftraum fliegen durften! Das war schon ziemlich beeindruckend, was da unten vor den Hangarn alles so rumstand… erinnerte an Top Gun. Dafür hatten wir aber leider das Pech, dass sich direkt über Key West ein Schauer befand, wir wurden also mit Regen begrüßt.

Kaum hatten wir die Maschine geparkt und den Motor abgestellt, schon kam ein freundlicher Mitarbeiter vom dortigen FBO Island City Flying Service zu uns und fragte, wie lange wir bleiben wollen und ob die 172er getankt werden soll.

Nachdem die Cessna versorgt war, brachte uns ein Taxi zu unserem Hotel, das Ocean Key. Nach dem knapp dreistündigen Flug hatten wir Hunger, also machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Anschließend machten wir einen Spaziergang durch die Stadt, später zum Sunset gingen wir natürlich zum Mallory Square. Wer in Key West ist, muss dort unbedingt hin! Es ist für jeden etwas geboten und zusammen mit der Abendstimmung ist das ein einzigartiges Erlebnis. Wir sahen dem Cat Man zu, den wir schon seit Jahren kennen und immer besuchen :)

Key West ist allgemein eine sehr besondere Insel und Stadt, sie unterscheidet sich sehr von nördlicheren Breiten. Es ist der südlichste Punkt der USA und liegt somit sehr nahe an Kuba (nur 90 Meilen entfernt!), dementsprechend anders ist die Atmosphäre und der Lebensstil. Alles ist bunt und karibisch angehaucht, die Einwohner sind wahnsinnig gelassen, immer gut gelaunt und auch ein kleines bisschen verrückt – sie genießen einfach das Leben und haben ihren Spaß.

Außerdem laufen hier 2000 bis 3000 Hühner und Hähne, die von den Einwohnern gypsy chickens genannt werden, frei herum. Warum es hier so viel Federvieh gibt, das nicht in Gefangenschaft gehalten und gegessen wird? Die Geschichte der Hühnchen geht weit zurück, bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals wurden die meisten Hühner von Cuba nach Key West gebracht. Damals war das ein sehr großes Geschäft, einerseits aufgrund der Versorgung von Fleisch und Eiern, andererseits wegen dem sogenannten Hahnenkampf. Mit der Zeit brauchte man die Hühner und Hähne nicht mehr, da der Hahnenkampf verboten wurde und man sich nun besser auf lokalen Märkten mit genügend Lebensmitteln versorgen konnte. So wurden sie freigelassen – die Hühnchen aus Cuba (die Cubalaya) verstanden sich gut mit den einheimischen Tieren und vermehrten sich so fröhlich weiter. Seitdem ziehen sie durch die Straßen, machen die Insel unsicher und sind (neben der Conch-Muschel) eines der wichtigsten Wahrzeichen von Key West geworden.

Genauso wie die Katzen, die sechs Zehen haben, anstatt fünf (bzw. an jeder Pfote einen Zeh mehr als normal)! Die meisten von ihnen (40-50 Stück) leben beim Ernest Hemingway Home & Museum. Hemingway besaß nämlich einen weißen Kater (seine erste Katze), der den Namen Snowball trug und sechs Zehen besaß. Dieses Gen wurde daraufhin an Snowball’s Nachkommen vererbt. Heute tragen alle Katzen den Namen einer berühmten Persönlichkeit und werden rund um die Uhr professionell gehegt und gepflegt :)

Florida an sich scheint schon warm genug zu sein, aber Key West grenzt sich deutlich von dem Festland ab, es ist noch ein paar Grad wärmer und durch die Lage ist es um einiges feuchter. Das kann im Sommer in den Mittagsstunden schon ziemlich hart sein, nur wenige sind um die Uhrzeit draußen. Abends ist dafür umso mehr los :)

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Am nächsten Morgen mussten wir wieder früh aufstehen. Vor dem Frühstück rief ich die FSS an, das Wetter war soweit O.K., nur direkt über Key West befanden sich erneut Schauer. Unsere 172er hatte die Nacht wohl gut überstanden, sie war neben anderen Cessnas platziert und fest angebunden. Die Mitarbeiter vom FBO parken die Maschinen immer noch einmal um – dorthin, wo es eben am besten passt. Den Flieger zusperren und den Schlüssel behalten darf man natürlich, man sollte aber dann die Parkbremse nicht gesetzt haben. Vollgetankt war sie auch, toller Service.

Leider waren an den Keys tatsächlich sehr viele Schauer, fast bis Marathon hat es geregnet, danach schien die Sonne und das Wasser schimmerte wieder türkis-blau. Diesmal durften wir nicht direkt über die NAS fliegen, sondern mussten weit außenrum. Wir nahmen dieselbe Route, wie auf dem Hinweg, immer an der Küste entlang.

Wir hatten ordentlich Rückenwind, also waren wir ein wenig schneller, als am Vortag. Etwa zur Mittagszeit erreichten wir Sarasota, dementsprechend war auch sehr viel los. Der Lotse von Tampa war unglaublich beschäftigt und hat uns zeitweise (fast) vergessen, was mir noch nie passiert ist. Außerdem bildeten sich in der Gegend auch schon langsam Schauer, es war sehr bockig/windig und mehrmals kreuzten Wasservögel unseren Weg, denen wir ausweichen mussten.

Unten angekommen, stiegen wir ganz verschwitzt aus der Maschine. Wir waren kaputt und müde, aber vor allem glücklich. Das war auf jeden Fall das absolute Highlight des Urlaubs, vermutlich sogar der beste Flug des Jahres – da bin ich mir ziemlich sicher. Einen derartigen Ausflug kann ich nur weiterempfehlen! :)

Schaut Euch doch – neben den ganzen Fotos – auch bitte das Video an, das ich Zuhause zusammengeschnitten und mit Musik hinterlegt habe. So bekommt Ihr einen noch besseren Einblick!

4 Kommentare

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