Ois hoib so wüd! Oder so…

© JACKIE HERR

So, nachdem ich die letzten Wochen fleißig mit lernen beschäftigt war und immer noch bin (aber das Abi endlich fast hinter mir habe!), nehme ich mir jetzt einfach mal einen Moment Zeit, um Euch von den vergangenen Tagen zu erzählen :)

Wie der Titel vermuten lässt, war ich in Österreich – genauer gesagt für zwei Nächte in Wien und eine Nacht in Salzburg. Aber natürlich nicht (nur :P), um Urlaub zu machen! Nachdem ich Anfang April von der DFS eine Absage bekommen habe (siehe Aus mit dem Traum… und Der erste Schritt zum Traumberuf), habe ich mich wie angekündigt bei der Austro Control für einen Ausbildungsplatz zum Fluglotsen beworben. Relativ bald, etwa zwei Wochen später, kam auch schon eine Antwort – mit der Einladung zum Eignungstest der 1. Stufe in Wien! Einen von vier Terminen durfte ich mir dann aussuchen. Das war zwar recht kurzfristig und mitten in der Prüfungszeit, aber die Freude über eine Zusage war natürlich umso größer.

Wien (Stephansdom) / © JACKIE HERR

Zusammen mit meinem Freund bin ich dann diesen Montag nach Wien gefahren. Übernachtet haben wir im Intercity Hotel, das auf der Hotelliste von Austro steht und somit für Teilnehmer am Auswahlverfahren vergünstigt ist. Das Hotel kann ich übrigens sehr weiterempfehlen! Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist echt spitze (selbst ohne Vergünstigung), die Zimmer sind wirklich schick und sauber, es gibt kostenloses WLAN, ein riesiges Frühstücksbuffet… außerdem bekommt jede Person ein Free City Ticket, mit dem man kostenfrei den Personennahverkehr in Wien nutzen kann. Das haben wir sehr gut ausgenutzt! Auch, wenn das Hotel ohnehin schon sehr zentral liegt.

Nachdem wir unser Hotelzimmer inspiziert haben, sind wir mit der U3 zur Austro Control gefahren – einfach, um einen ersten Blick auf das Gebäude zu werfen. Und so wusste ich schonmal, wie lange ich mit der U-Bahn am nächsten Morgen brauchen werde und wo genau ich hin muss.

Der Wecker klingelte dann um Punkt 6 Uhr, um 08.30 Uhr ging es los bei der Austro. Zum Glück war ich nicht allzu nervös, sondern sogar vergleichsweise relativ entspannt, konnte also problemlos schlafen und frühstücken. Typisch österreichisch eben, einfach alles locker und entspannt nehmen, bloß keinen Stress ;)

Wien (Intercity Hotel, Mariahilfer Str.) / © JACKIE HERR

Zu viel über die Tests werde ich natürlich nicht verraten – hauptsächlich weil ich einfach nicht mehr alles so genau weiß! Allgemein kann ich sagen, dass für die erste Selektion der First European Air Traffic Controller Selection Test (FEAST) von Eurocontrol genutzt wird, der eben auch bei anderen europäischen Flugsicherungen (wie z.B. Skyguide) eingeführt wurde. Das bedeutet: standardisierte, europaweite Tests – falls man hier rausfliegt, ist man für ganz Europa automatisch raus (abgesehen davon haben es allgemein die Flugsicherungen nicht so gerne, wenn man sich bereits bei anderen beworben hat). Aber: Wenn man den Test schafft, muss man ihn bei einem anderen Land nicht unbedingt nochmal machen.

Nun gut – pünktlich um halb 9 wurden alle Teilnehmer am Eingang von Frau Vomela (Personalmanagement) abgeholt und in den Testraum geführt. Falls ich richtig gezählt habe, waren wir insgesamt neun Leute und drei davon (mit mir) weiblich. Dann kam Frau Kappacher (Manager Recruitment & Quality) hinzu, die uns auch den ganzen Tag über begleitet hat. Beides unglaublich freundliche und sympathische Leute!

Nach einer kurzen Einführung über den Ablauf des Tages, die weiteren Auswahlschritte und allgemeine Informationen über den Beruf des Fluglotsen, ging es etwa um 9 Uhr mit den Tests los, die alle elektronisch am Computer durchgeführt werden. Am Vormittag wurden hauptsächlich die kognitiven (Leistungs-) Fähigkeiten behandelt. Heißt: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Problemlösung, Kreativität, Planen, Orientierung, Wille, Motivation, Konzentration, Informationsverarbeitungs- und Handlungsgeschwindigkeit… und noch vieles mehr.

Wien (Graben, Nähe Stephansdom) / © JACKIE HERR

Nebenbei wurden auch die Englischkenntnisse getestet. Wobei ich hierzu sagen muss, und in dem Punkt haben mir alle anderen Teilnehmer zugestimmt, dass dieses Niveau wahnsinnig hoch angesetzt ist. Angeblich soll das bei C1 sein, also so, wie es auch in der Oberstufe auf Gymnasien in Deutschland verlangt wird. Aber ehrlich gesagt ist das (schriftliche) Abitur in Englisch (das ich exakt eine Woche zuvor absolviert habe) ein Witz dagegen. Sowohl Text-, als auch Hörverstehensaufgaben kamen dran, mit sehr anspruchsvollen Wörtern, die ich teilweise zuvor noch nie gehört oder gesehen habe. Manche Aufgaben waren einfacher als andere, aber dennoch habe ich in dem Test insgesamt schlecht abgeschnitten. Am liebsten hätte ich einfach den richtigen Flugfunk gehabt, da hätte ich wenigstens alles verstanden…

Ansonsten kann ich Euch wie gesagt nicht extrem viel über die einzelnen Tests erzählen. Das Zusammenklappen eines Würfels ist vermutlich noch am bekanntesten, bei dem das räumliche Vorstellungsvermögen getestet wird.
Der für mich schwierigste Test an dem Tag war wohl die Regeln lernen und anwenden-Aufgabe, die mich zugegebenermaßen teilweise echt überfordert hat. Hier müssen Symbole oder Zahlen bestimmten Gruppen unter Beachtung verschiedener vorgegebener Regeln (die sich während des Tests, angegeben durch eine kleine Infobox am oberen Rand, ändern können) zugeordnet werden. Klingt erstmal einfach, ist es aber nicht. Vor allem, da die Symbole oder Zahlen nur für 1-2 Sekunden eingeblendet werden und innerhalb dieser Zeit man sich für die Zuordnung entscheiden muss.
Beim Planungsfähigkeitstest war ich wohl am besten, etwas zu organisieren und zu strukturieren ist eine meiner größten Stärken. Hier war ein Bild mit verschiedenen Flugzeugen gegeben, man musste dann anhand verschiedener zuvor gelernter Regeln das richtige Flugzeug über den richtigen Weg (Waypoints) zur Landebahn lotsen. Nebenbei tauchen immer wieder wichtige Nachrichten auf, die Vorrang vor allen Regeln haben (z.B. dass ein bestimmtes Gebiet für bestimmte Flugzeuge gesperrt ist oder ein Flugzeug einen Notfall hat).
Beim Mehrfachaufmerksamkeitstest wurden vier Bilder gezeigt, in jedem war ein Balken mit einem Ball. Alle Balken und Bälle haben sich mit wechselnder Richtung und Geschwindigkeit bewegt. Sobald einer der Bälle durch einen Balken wandert, muss eine bestimmte Taste gedrückt werden.
Dann gab es noch einen Koordinatensystemtest, bei dem man unter Zeitdruck den richtigen Kurs/Weg, die Rotation und die Distanz für ein Objekt bestimmen bzw. abschätzen musste.

Wien (Hofburg, Peterskirche, Ampelweibchen) / © JACKIE HERR

Kurze Mittagspause. Darauf ging es mit Tests zu der Arbeitshaltung weiter.
Zum Beispiel: Figurenwahrnehmungstest – aus einem Linienfeld (naja, sagen wir „Wirrwarr“) sollte man eine gegebene Figur (in diesem Fall ein Häuschen) finden und einzeichnen, innerhalb einer bestimmten Zeit. Flächenvergleichstest – zwei unregelmäßige Formen sind gegeben, deren Größe verglichen wird. Die Abbildung mit dem größeren Flächeninhalt muss so schnell wie möglich angeklickt werden. Symbolezuordnungstest – eine Farbe wird einem schwarz-weißen Symbol zugeordnet. Es erscheint dann abwechselnd immer eines der schwarz-weißen Symbole, zu dem man die passende Farbe auswählen muss, natürlich besonders schnell. Und so weiter…

Danach musste jeder von uns einen Fragebogen bearbeiten, der knapp 200 Fragen beinhaltet. Ziemlich anders als bei der DFS und außerdem auf Englisch.

Darauf bekamen wir unsere letzte Aufgabe für den Tag: Die kommenden zwei Stunden durften wir richtige Fluglotsen sein! Zuerst lernte jeder von uns dazugehörige Grundlagen/Regeln über Navigation und Staffelung von Flugzeugen (Heading, Bearing, Waypoints, Flightlevels, etc.) – für mich alles keine neuen Begriffe. Das Programm sah dem Radarbildschirm eines Centerlotsen ziemlich ähnlich: Zur Hilfe war die Kompassrose am Rand des Bildschirms eingeblendet bzw. die Gradzahlen. Die Waypoints waren Dreiecke und die Flugzeuge grüne Quadrate, ihr zurückgelegter Weg kleine Punkte. Das Kennzeichen, das Heading und das Flightlevel standen auch dabei. In den darauffolgenden Aufgaben mussten wir mehrere Flugzeuge an den Waypoints, die nummeriert waren, entlang lotsen. Das wurde bis zu vier Flugzeugen gesteigert, natürlich mit anderem Flugverkehr, über den wir keine Kontrolle hatten (etwa 20 andere Flugzeuge auf dem Schirm). Das Flightlevel (wir hatten drei zur Auswahl: 100, 200 und 300) musste also passen, damit es zu keinen Kollisionen kam. Außerdem sollte das Heading so genau wie möglich bestimmt werden, das ergibt am meisten Punkte. Bewertet werden die Effizienz, die Genauigkeit und die Sicherheit der Flugstrecken. Beim letzten Abschnitt wurde das ganze noch gesteigert: Während dem Lotsen mussten wir auch noch Rechenaufgaben lösen.

Wien (Schloss Schönbrunn) / © JACKIE HERR

Geschafft. Inzwischen war es spät nachmittags, fast den ganzen Tag sind wir am Computer gesessen, das macht schon ein wenig blöd… nun hieß es, auf das Ergebnis zu warten. Nach und nach hat Frau Kappacher einen von uns in einen Nebenraum gerufen, um unsere Ergebnisse ganz genau durchzugehen und Stärken/Schwächen herauszuarbeiten. Sie nahm sich für jeden von uns etwa 20-30 Minuten Zeit, was ich persönlich unglaublich gut fand. Das ist besser, als einfach nur eine Liste vorgesetzt zu bekommen (wie leider bei der DFS).

Insgesamt kamen zwei von uns weiter, die für den zweiten Auswahlschritt eingeladen wurden. Ich selber war leider nicht dabei. Einige Werte waren zwar deutlich über dem Durchschnitt und äußerst positiv (z.B. meine Arbeitshaltung und beim Anwenden meiner Fähigkeiten in der Praxis, also beim allerletzten Testabschnitt), aber andere auch unter dem verlangten Minimum.
Allerdings habe ich das im Laufe des Tages schon geahnt, da ich einfach gemerkt habe, dass ich mit ein paar Tests nicht wirklich gut klar gekommen bin. Ich hatte keine allzu hohen Erwartungen. Ich wollte nur wissen, ob ich für diesen Beruf geeignet bin oder nicht. Und wie Frau Kappacher gesagt hat: Man kann da noch so viel üben – entweder man hat das Talent oder eben nicht. Wenn ich diese außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht besitze, dann ist es eben so, das habe ich akzeptiert – selbst, wenn ich noch so gerne im Tower oder Center sitzen würde.

Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass mir Austro eine Chance gegeben und mir dabei gezeigt hat, dass mich dieser Beruf langfristig gesehen wohl nicht glücklich gemacht hätte. Das ist ein ganz anderes Gefühl, als von der DFS eine Absage zu bekommen, ohne vorher überhaupt seine Fähigkeiten beweisen zu dürfen. Hier hatte ich das Gefühl, nicht genommen zu werden, weil ich nicht dafür geeignet bin, und nicht weil sie willkürlich Leute rausschmeißen, da sie vielleicht zu viele Bewerber haben. So hielt sich meine Enttäuschung in Grenzen. Dennoch schade, dass anscheinend immer weniger Leute genommen werden, die wirklich mit der Fliegerei etwas zutun haben. Aber irgendetwas in diese Richtung werde ich sicher finden!

Darauf habe ich noch wahnsinnig tolle Tage in Wien und Salzburg verbracht. Beides wunderschöne Städte! Leider darf ich keine Fotos vom Red Bull Hangar 7 ins Internet stellen… aber dafür bekommt Ihr ja genug andere Impressionen zu sehen :)

Falls Ihr noch Fragen habt, nur raus damit! Bis bald!

Salzburg (Salzburger Dom, Salzach, Kapitelplatz) / © JACKIE HERR

10 Kommentare

  1. Interessante Berichte hier, vielen Dank dafür!
    Habe auch gerade meine Absage von der DFS nach dem Biobogen bekommen. Naja, Centerlotse war sowieso nicht mein Traum, im Tower hätte das aber schon anders ausgesehen..
    Vielleicht wäre der duale Studiengang Luftverkehrsmanagement etwas für dich? Ich bewerbe mich dafür auf jeden Fall. LG

    • Vielen Dank, das freut mich! Schade, dass es auch bei dir nicht geklappt hat. Und ja, Towerlotse wäre ebenso mein absoluter Traum gewesen…

      Wie sieht es inzwischen aus, studierst du das nun? Vermutlich werde ich mich für Aviation Management/Business entscheiden 😊

      Liebe Grüße, Jackie

  2. Pingback: 366 Versuche, das Richtige zu tun – Skycatching Girl

  3. Katharina

    Hallo Jackie,

    ich habe nächste Woche meinen ersten Auswahltermin und habe von deiner Hotelliste gelesen, finde aber leider keine öffentlich zugängliche. Wo kann man diese Liste denn finden?

    Danke für deine Antwort und viele Grüße :)

    Katharina

    • Hallo Katharina!

      Soweit ich mich richtig erinnere, habe ich die Hotelliste damals zusammen mit der Einladung direkt von Austro bekommen. War das bei dir nicht der Fall?

      Liebend gerne! Ich freue mich doch immer, wenn ich helfen kann 😊

      Viele Grüße zurück, Jackie

      • Katharina

        Hi Jackie,

        vielen Dank für deine schnelle Antwort! :-)

        Nein, bei meiner Einladung war leider keine Hotelliste dabei. Blöderweise ist Frau Vomela momentan auch im Urlaub wie es scheint und Frau Kappacher mit den Auswahlterminen beschäftigt- heißt gerade leider keiner erreichbar.
        Wie hast du das dann letztendlich organisiert? Also hast du erst normal gebucht und anschließend etwas bei Austro eingereicht? Und wie war das mit dem Free Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel, hast du das nur wegen dem Termin bei Austro bekommen oder bekommt das jeder?

        Nochmal vielen Dank und liebe Grüße :-)

        Katharina

        • Oh, na das ist ja ganz toll… und beide haben keinen Ersatz, bei dem du dich melden könntest? Wäre natürlich am besten, das mit denen zu regeln.

          Ich hab mir einfach ein Hotel auf der Liste ausgesucht, dort gebucht, aber dann weiß ich nicht mehr genau, wie wir das vor Ort gemacht haben… ich glaube Austro hat sich dort vorab gemeldet und bestätigt, dass ich an dem Auswahlverfahren teilnehme, sodass ich nur noch den reduzierten Preis zahlen musste. Das Ticket bekommt jeder Gast beim Intercity 😊

          Liebe Grüße, Jackie

          • Katharina

            Haben beide leider keinen Ersatz, aber am Freitag habe ich dann zum Glück eine von ihnen erreicht :).
            Es hat sich herausgestellt, dass sie das mit der Liste nicht mehr anbieten, weil sich wohl gezeigt hat, dass man auf Portalen wie booking.com o. Ä. immer noch weniger zahlt, als bei deren Arrangements mit den einzelnen Hotels. Habe jetzt auch darüber was relativ preiswertes gefunden :).
            Jetzt ist alles erledigt und der Test kann kommen 😊.

            Vielen Dank nochmal für deine Hilfe und liebe Grüße

            Katharina

  4. Na, zum Glück! Ist ja interessant, gut zu wissen.
    Für den Test wünsche ich dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg! 😊

    Liebe Grüße, Jackie

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