„Volare… oh, oh…“

Frecce Tricolori / © JACKIE HERR

In meinem letzten Blogpost („D-EJGI, do you have retractable landing gear?“) habe ich Euch ja erzählt, dass ich im September auf einer Airshow sein werde. Am Wochenende vor einer Woche war es dann soweit: Die italienische Kunstflugstaffel, Frecce Tricolori, hat bei ihrem Heimatflugplatz ihr 55. Jubiläum gefeiert.

Zusammen mit meinen Eltern und Air Ventures Reisen ging am Freitag der Spaß los. Ich fasse mal alles so kurz wie möglich als Tagesablauf zusammen ;)

Freitag, 04.09.

Patrouille de France / © JACKIE HERR

11.00 Uhr: Abfahrt mit unserem Doppeldecker-Bus in München. Es sind 29 Passagiere an Bord. Ich sitze zum ersten Mal in meinem Leben in einem Bus oben und ganz vorne. Bei jedem Tunnel bin ich versucht den Kopf einzuziehen.
18.30 Uhr: Nach einer langen Fahrt inkl. zwei Pausen kommt die Reisegruppe schließlich bei unserem Hotel in Brugnera an. Es ist angenehm warm. Als wir an Udine vorbeigefahren sind, haben wir von Weitem die Patrouille de France am Flugplatz ihr Programm üben sehen. Wenige Minuten nach unserer Ankunft kommen die Fehlenden zur Gruppe hinzu, die über Venedig geflogen sind, und unser Reiseleiter, Claudius.
20.00 Uhr: Abendessen im Hotel, endlich! Wir alle haben einen Bärenhunger. Deswegen freut es uns, dass ein 4-Gänge-Menü organisiert wurde. Während wir auf unsere Getränke und die Vorspeise warten, begrüßt Claudius uns alle und schildert den morgigen Tagesablauf.
21.00 Uhr: Der 1. Gang kommt, Melone mit Schinken. Uns allen wird nun klar, dass dieser Abend längerdauern und es eine sehr kurze Nacht werden wird.
23.00 Uhr: Nach weiteren drei Gängen (Spaghetti Bolognese, Fleisch mit Gemüse und Tiramisu – superlecker und riesige Portionen!) geht es nun mit viel zu vollem Bauch ins Bett. Übrigens hätte es auch noch Nachschlag gegeben – aus irgendeinem Grund haben sich aber die Meisten dagegen gewehrt.

Samstag, 05.09.

Patrulla Águila / © JACKIE HERR

05.30 Uhr: Der Wecker klingelt. Immer noch satt.
06.00 Uhr: Frühstück. Nur ein kleines Frühstück für mich, selbst bei diesem riesigen Buffett.
07.00 Uhr: Abfahrt nach Udine bzw. Rivolto. Unser Bus hat eine spezielle Einfahrgenehmigung, wir dürfen direkt neben den Eingängen parken. Es sind nicht sehr viele Leute da, weil das Wetter nicht allzu gut ist, also stehen wir nicht im Stau und steigen schon um kurz nach 8.00 Uhr aus dem Bus.
08.15 Uhr: Wir kommen an einem der drei „etwas“ engen Eingängen an – und stehen dort erst einmal. Knappe zwei Stunden. Ja, die Organisation und Sicherheitskontrolle wirkt an diesem Tag typisch italienisch.
10.00 Uhr: Endlich auf dem Gelände! Meine Eltern und ich haben uns entschieden, dass wir den nicht so schönen Tag nutzen würden, um die Ausstellungen und Stände in Ruhe anzusehen – immerhin stehen uns dafür ganze vier Kilometer an Flightline zur Verfügung.
10.30 Uhr: Unsere „Ruhe“ wird durch einen heftigen Regenschauer unterbrochen. Zum Glück finden wir rechtzeitig einen Unterschlupf in einem der Hangar. Man sieht keinen Kilometer mehr weit, die Airshow muss für etwa eine Stunde abgebrochen werden.
12.00 Uhr: Der Himmel wird blau und die Sonne kommt raus. Das Programm geht wie geplant weiter.
13.00 Uhr: Kurze Mittagspause für unsere Füße. Wir setzen uns ins Gras und sehen der Airshow ein wenig zu.
16.00 Uhr: Wir sind inzwischen das gesamte Gelände abgelaufen und setzen uns wieder auf unseren vorherigen Platz, um den Rest der Airshow zu genießen.
18.15 Uhr: Das Ende der Airshow war eigentlich um 17.00 Uhr geplant, aber die Stunde Verzögerung macht ja nichts. Länger hätte es allerdings nicht dauern dürfen, denn ein Gewitter kommt immer näher.
20.00 Uhr: Eigentlich wären wir alle am liebsten sofort in die Betten gefallen, aber da wartet ja noch ein weiteres 4-Gänge-Menü auf uns! Eine kalte Vorspeisenplatte, Lasagne, ein Rollbraten mit Gemüse und Panna Cotta.
21.00 Uhr: Unsere Getränke kommen. Nach der Lasagne schleiche ich mich heimlich in mein Zimmer und falle ins Bett.

Sonntag, 06.09.

Frecce Tricolori / © JACKIE HERR

08.30 Uhr: Wir sind etwas später in Rivolto angekommen. Das Wetter ist wie angekündigt supersuperschön, daher ist auch sehr viel mehr auf den Straßen los.
08.45 Uhr: Einen anderen Eingang zu nehmen hat funktioniert! Schon nach 15 Minuten sind wir auf dem Gelände. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, einen Platz ganz vorne am Zaun zu bekommen, schließlich habe ich heute beide Kameras dabei. Die Menschenmassen strömen nur so rein, wir beeilen uns.
09.00 Uhr: Geschafft! Den perfekten Platz für meine Fotos ergattert!
09.30 Uhr: Die Airshow beginnt. Den ganzen Tag über bleibt es sonnig und klar am Himmel. Trotz Sonnencreme bekomme ich meinen typischen Flugtag-Sonnenbrillenränder-Sonnenbrand. Wenigstens bleibt ein Sonnenstich dank Cappy aus.
18.30 Uhr: Wieder wird  überzogen, was aber überhaupt nicht schlimm ist. Meine Speicherkarten sind um knapp 2.000 Fotos reicher.
19.40 Uhr: Wir erhalten vom Kontrollturm endlich die Clearance, dass die Busse von den Parkplätzen losfahren dürfen (kein Witz). Definitiv zu viele Menschen auf zu „kleinem“ Gebiet. Wir fahren los und sehen dabei zu, wie andere Gruppen neben ihrem Bus Klappstühle und einen Grill mit Buffett aufbauen. Wir beschließen, das in 5 Jahren genauso zu machen. Unsere Strecke führt um den Flugplatz herum, was sogar eine Abkürzung ist. Alle genießen die Aussicht auf den Sonnenuntergang und die Alpen. Claudius ruft währenddessen bei unserem Hotel an und gibt Bescheid, dass wir uns verspäten. Kurz darauf meint er zu uns: „Das geht klar, haben sie gesagt. Bis dahin wären sie dann auch mit den Getränken fertig.“ Der ganze Bus lacht.
21.00 Uhr: Wieder vier Gänge. Tomaten mit Mozzarella, Nudeln mit Tomaten-Ricotta-Soße, Steak und Obstkuchen. Erneut verweigern die Meisten einen Nachschlag. Zu lecker, aber einfach zu viel!

Montag, 07.09.

Saudi Hawks / © JACKIE HERR

07.00 Uhr: Juhu, mal ausschlafen! Naja, mehr oder weniger.
08.30 Uhr: Abfahrt für Diejenigen, die mit dem Bus zurück nach München und Kempten fahren. Wir verabschieden uns von Claudius, der mit den anderen etwas später nach Venedig fährt.
16.30 Uhr: Ankunft in München und Abschied von unseren restlichen tollen Mitreisenden und dem Busfahrer!

Zusammenfassung

Turkish Stars / © JACKIE HERR

Die Kunstflugteams, die aufgetreten sind:
Biało-Czerwone Iskry („rot-weiße Funken“)/Team IskrySaudi HawksWeFly! TeamRoyal Jordanian FalconsMidnight HawksPatrulla ÁguilaTürk Yıldızları/Turkish StarsBreitling WingwalkersPatrouille Suisse, Patrouille de France, Frecce Tricolori

Außerdem zu sehen waren:
Eine F16, MIG29, Saab 105, Alenia Aermacchi M-346, AgustaWestland AW139, Tornado Formation, ein AH-64 Apache, Eurofighter Typhoon, Aude Lemordant mit ihrer Extra EA-300SC und noch vieles mehr…

Damit waren folgende Nationen vertreten (wenn nicht als Team, dann als Einzeldarbietung oder sogar beides):
Polen, Saudi-Arabien, Italien, Jordanien, Finnland, Spanien, Türkei, Großbritannien, Schweiz, Frankreich, Belgien, Österreich und Niederlande
(Moment, und Deutschland? Dieser „Nachbar“ war natürlich nicht vertreten, denn alles, was mit Luftfahrt zutun hat, ist ja böse und gefährlich. Und Geld ist schließlich auch keins da. Bei einem derartig großen Treffen von Ländern könnte man sich schon ordentlich schämen.)

Fazit

Frecce Tricolori / © JACKIE HERR

Wie Ihr vermutlich an den Bildern sehen könnt, war es einfach eine wundervolle, ereignisreiche und unvergessliche Veranstaltung. Bis auf den kleinen Vorfall am Samstag, war sonst alles supergut organisiert. Für die vielen Menschen gab es so wahnsinnig viel zu sehen und auch mehr als genug zu essen und zu trinken (was übrigens für Flugtag-Verhältnisse echt günstig war). Und dank Air Ventures Reisen lief dennoch alles total entspannt ab. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Claudius, der uns so toll während der Fahrt unterhalten, betreut und informiert hat, und an Busfahrer Anton, durch den wir trotz teils waghalsiger Streckenabschnitte immer sicher am Ziel angekommen sind!

Falls Ihr die restlichen (vielen!) Fotos ansehen wollt, dann besucht mich doch auf Facebook, dort habe ich ein Album erstellt. Ich hoffe jedenfalls, dass in fünf Jahren, wenn Frecce Tricolori ihr 60. Jubiläum mit uns feiern werden, es ein genauso schönes Wochenende wird :)

Inzwischen stecke ich inmitten meiner Urlaubsvorbereitungen, denn in wenigen Wochen werde ich endlich wieder in Florida sein! Ich freue mich schon unglaublich darauf und werde dort auch bestimmt wieder fliegen, mein „Biennial Flight Review“ ist nämlich fällig. Kaum zu glauben, dass ich jetzt schon seit zwei Jahren meinen US-PPL habe :) (Und was den deutschen Schein angeht: nach erfolgreich abgeschlossener Schul- und Ferienjobzeit kann ich endlich daran arbeiten, aber mehr wird noch nicht verraten ;) )
Bis bald also!

Frecce Tricolori / © JACKIE HERR

3 Kommentare

  1. Liebes Töchterchen… Ich hoffe, dass viele Flugtagbegeisterte deinen spritzig geschriebenen Bericht und deine super Fotos genießen werden…😊 Es war wirklich ein ganz außergewöhnliches Ereignis!
    Vielen Dank für eure Gastfreundschaft, Frecce Tricolori…🇮🇹

  2. Pingback: 366 Versuche, das Richtige zu tun – Skycatching Girl

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