Wenn Piloten aus dem Flugzeug springen…

© JACKIE HERR / THE FLYING BONES

…dann sind die doch definitiv bekloppt, möchte man meinen :P

Vielleicht könnt Ihr Euch noch daran erinnern, was ich von meinen Eltern zum Geburtstag geschenkt bekommen habe (das habe ich irgendwann im Juli mal auf Facebook und Instagram gepostet): einen Fallschirm Tandemsprung! :)

Gestern war es dann endlich soweit! Um 11 Uhr hatte ich meinen Termin, in Tannheim bei den Flying Bones. Als Begleitung und Unterstützung waren mein Dad und mein Freund dabei.

Zu Beginn musste ich mir ein kurzes Einweisungsvideo ansehen, darauf durfte ich mir auch schon meinen knallroten Anzug überstreifen. Den ganzen Papierkram hatte ich bereits Zuhause erledigt. Tanja half mir dann mit Gurtzeug, „Helm“ und meinen langen Haaren – die mussten natürlich wie so oft gebändigt werden ;)

Überraschenderweise hat etwas später jemand anderes seinen Termin abgesagt – also durfte spontan mein Dad mit (wir mussten ihn zwar mehr oder weniger überreden, aber Frauen können das ja hervorragend :D). Und so waren es schon zwei Piloten, die es wagten, aus einem voll intakten Flugzeug zu springen!

Wir sind zusammen mit Sascha noch einmal den gesamten Ablauf von Flug und Sprung durchgegangen, kurz darauf war auch schon unsere Maschine (eine Cessna 182) da und sind eingestiegen. Mittlerweile war es kurz vor 12 Uhr. Mein Dad ist übrigens mit Sascha gesprungen, ich mit Marius.

© JACKIE HERR / THE FLYING BONES

Wir hätten uns keinen besseren Tag aussuchen können, das Wetter war der Wahnsinn! Die Wolken lagen etwa auf einer Höhe von 1.500 Metern – die Höhe, bei der der Schirm geöffnet und der Freifall somit beendet wird. Über ihnen konnten wir bis zu den Alpen sehen und die Sonne strahlte natürlich nur so vor sich hin am knallblauen Himmel. Wir haben etwa 20 Minuten gebraucht, bis wir unsere Absprunghöhe von 4.000 Metern erreicht haben. Die Nervosität hielt sich bei mir noch in Grenzen.

Dann wurde es langsam ernst: Ich wurde nun komplett an meinem Tandemmaster festgeschnallt, ich setzte meine Brille auf und ein paar Minuten später wurde die Tür geöffnet. Für Personen, die nicht fliegen, könnte dieser Anblick schon beängstigend sein – für Piloten, wie meinem Dad und mich, war das noch recht normal, schließlich fliegen wir ja selbst meist mit offener Tür und sitzen direkt daneben. Allerdings sind wir dann auch angeschnallt und lassen vor allem nicht die Beine draußen frei herum hängen!

Also Beine raus, auf die Kante setzen, Arme überkreuzen, Kopf in den Nacken – was sowieso nicht allzu schlecht ist, da man so nicht nach unten schauen kann – und looos! Ich glaube der Absprung selbst war für mich das Beste vom gesamten Fall. Den Überschlag habe ich sehr deutlich gemerkt (was wohl nicht alle Leute tun) und das Flugzeug sogar auch gerade noch gesehen, also habe ich relativ viel mitbekommen! Aber alles wirkt natürlich etwas „surreal“, deshalb fühlt sich der Fall nicht so lange an wie er tatsächlich dauert (40 bis 50 Sekunden). Eine Höhenangst habe ich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht verspürt, selbst wenn man mit 200 km/h auf die Erde zurast. Man muss die ganze Zeit über lachen, anders geht es nicht! Das Kribbeln im Bauch ist einfach zu stark :)

© JACKIE HERR / THE FLYING BONES

Direkt am seitlichen Rand einer Wolke zog Marius unseren Schirm. Wir sind sogar noch durch einen Fetzen hindurchgeflogen (bzw. gefallen) – das kann auch nicht jeder von sich behaupten! Bis man abgebremst wird und von der Horizontalen in die Senkrechte wechselt, dauert es nur einen klitzekleinen Moment, das geht alles ziemlich schnell. Anschließend gleitet man sanft durch die Luft. Mit dem Druckausgleich hatte ich keinerlei Probleme, ehrlich gesagt habe ich davon überhaupt nichts gemerkt. Ich habe dann auch gleich die Brille abgesetzt, um etwas besser zu sehen, ab dem Zeitpunkt benötigt man sie ja sowieso nicht mehr.

In den ersten Sekunden unseres Gleitfluges habe ich nun tatsächlich einen leichten Anflug von Höhenangst bekommen – sonst habe ich immer etwas unter den Füßen, aber nun hatte ich ja nichts unter mir, nur Luft und weit entfernt den Erdboden. Aber ich habe mich recht schnell an das Gefühl gewöhnt und die Aussicht genossen. Den Schirm steuern durfte ich auch mal ein wenig (wobei ich mich ehrlich gesagt garnicht richtig getraut habe :D) – einmal haben wir eine so starke Drehung gemacht, sodass wir fast waagerecht zu Boden getrudelt sind. Unglaublich, was für G-Kräfte da auf einen wirken, das habe ich echt unterschätzt! Das hat mir dann auch schon gereicht… :P

Nach weiteren 5-7 Minuten hatte ich schließlich wieder festen Boden unter meinen Füßen. Die Landung war sehr sanft, sehr viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. Wir hatten an dem Tag sehr viel Wind (knapp 20 Knoten), also sind wir fast schon im Stehen – also mit kaum einer Vorwärtsbewegung – aufgesetzt. Mein Dad landete ein wenig später. Unser Grinsen stand uns noch eine lange Zeit im Gesicht.

An dieser Stelle noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an die Flying Bones für dieses wundervolle, unvergessliche Erlebnis! Ich kann wirklich jedem einen Tandemsprung empfehlen, davor braucht man absolut keine Angst zu haben! Ich würde es jederzeit wieder tun :) 

Hier habe ich noch die besten Bilder für Euch in einer Slideshow. Leider sieht es beim Freifall so aus, als hätte ich die Augen zu, dabei hatte ich sie definitiv offen! Das nächste Mal sollte ich wohl ungeschminkt fliegen, äh, springen… und ich weiß, ich sehe aus wie ein Hamster, also lacht nicht! :D

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